Langlauf - quer durchs Winterwunderland

Erscheinungsdatum | 05.10.2026

Langlaufen, rodeln, wandern – der Hohe Meißner ist der perfekte Ort für winterliche Touren. Nordhessisches Après-Ski inklusive. Schon bei wenig Schnee werden Loipen gespurt.

Es ist absolut still. Durch den Schnee und Raureif auf den Bäumen ringsum dringt kein Motorenlärm und keine Stimme. Dabei bin ich vor einer halben Stunde inmitten eines Pulks von Langläuferinnen und Langläufern in den Winterwald gestartet. Doch die Grüppchen haben sich bald nach Tempo und Technik sortiert. Die Skaterinnen und Skater flitzen nach rechts auf ihre breit planierte Piste. Ich folge wie die meiste der klassischen Loipe quer über den Hohen Meißner.

Drei Loipen stehen zur Auswahl

Am Startpunkt klimpern zwei Euro in ein gelbes Kästchen. Für den kleinen Obolus bekomme ich neun und fünf Kilometer bestens präparierte Loipe über das ausgedehnte Hochplateau. Anstrengende Anstiege gibt es nicht, mehr als ein paar Hundert Meter geht es nie bergauf. So folgt auf jede Steigung bald die Belohnung: zwei oder drei Mal kräftig mit beiden Stöcken abstoßen und dann das Gleiten genießen. Richtig flott wird die Fahrt nur beim Gefälle nahe der Kasseler Kuppe.

Nach rund drei Jahrzehnten stehe ich erstmals wieder auf Langlaufskiern. Warum erst jetzt? Die Frage geht mir durch den eisig bereiften Kopf, als ich beglückt durchs stille Schneeparadies gleite. Anfangs fühle ich mich noch etwas wackelig auf den schmalen Brettern – waren die früher nicht doppelt so schwer? Nach einigen Kilometern muss ich nicht mehr überlegen, was Beine und Arme zu tun haben. Der Rhythmus ist gefunden und es geht immer fixer voran. Auf halber Strecke stehen mir die ersten Tropfen auf der Stirn. Die Jacke wandert in den Rucksack.

Am Himmel wechselt helles Blau mit Grau. Im Nebeldunst weiß ich nach einigen Abzweigungen nicht mehr, wo welche Himmelsrichtung liegt. Macht aber nichts, die Route ist bestens ausgeschildert. Meist führt die Loipe durch lichten Wald mit jungen Fichten. Hier ist der Wind kaum zu spüren. Erst als sich die Bäume zur Struthwiese hin öffnen, bläst es mir aus Osten harsch ins Gesicht. Aus der Schneedecke ragen trockene Dolden der Sommerblumen – in ein paar Monaten ist die Wiese wieder vollbunter Blüten. Das Ausflugsziel ist vorgemerkt.

Hüttenflair ohne Schlager

Mit gut 40 Zentimeter Schnee macht der Meißner seinem ursprünglichen Namen alle Ehre. Wissener, wie der Berg im Mittelalterhieß, bedeutet wohl: der Weiße. Denn oft ist der mit gut 750 Metern weit und breit höchste Berg früher und länger überzuckert als das Umland. Auch heute sind im Tal nur die Nadelbäume zwischen den braunen Buchen weiß überzogen. Das ändert sich, als es mit dem Bus bergauf geht. Hier oben hat jeder Ast ein weißes Kleid. Frau Holle, die in alten Sagen und Märchen eng mit dem Hohen Meißner verbunden ist, muss ordentlich die Betten geschüttelt haben. Das bunte Völkchen hier oben freutes. Die Anfängerinnen und Anfänger staksen vorsichtig voran und purzeln manchmal aus der Loipe. Die Ambitionierten skaten mühelos an mir vorbei. Egal welcher Stil – viele Wintersportfans treffen sich schließlich im Pavillon am Startpunkt wieder. Dort gibt es heißen Apfel und Wildbratwurst – Après-Ski auf Nordhessisch. Noch mehr Hüttenstimmung kommt einige Hundert Meter weiter auf. Beim NaturFreunde Meißnerhaus werden selbst Geba-ckenes und deftige Speisen über den Tresen gereicht. Stachelbeerkuchen und Jägerschnitzel, Erbsensuppe und Wild. Außerdem gibt es von der Terrasse am NaturFreunde Meißnerhaus eine weite Sicht aufs Umland und den Nachwuchs. Die Kinder wagen sich neben dem kleinen Lift auf ihre ersten Abfahrten mit den Ski – oder kreischend mit dem Schlitten.

Gut gestärkt zurück auf die Strecke

Nach Kaffee und Kuchen fühle ich mich wieder fit für die kürzere Runde parallel zur Skatingstrecke. Die hatte meine Loipenbekanntschaft Thorsten gleich nach der langen Runde absolviert. Sobald hier oben gespurt wird, fährt der Kasseler zum Hohen Meißner. „Perfekt, um sich draußen zu bewegen und den Kopf frei zu be-kommen“, meint der Wintersportfan. Sehe ich genauso. Ausgepowert und bestens erholt geht es mit dem Bus zurück ins Tal. Nächstes Mal komme ich im Sommer wieder – und im Winter mit passenden Ski für die schnelle Skatingstrecke. Vielleicht kann ich dann den ein oder anderen überholen.

Autor: Peter Ringel
Fotograf: Alex Schmitt

Alles wichtige für deinen Ausflug

Diese Eigenschaften bietet dir diese Route:

Alleine Gruppen Aktives Bewegungslevel Mittleres Budget Einkehrmöglichkeit

Auf ins Wintervergnügen 

Bei Schnee bietet der Hohe Meißner etwas für die ganze Familie. Der kleine Skilift am NaturFreunde Meißnerhaus ist ideal, um das Skifahren zu lernen – oder um mit dem Schlitten bergab zu sausen. Ein größerer Lift am Berggasthof ist in der Regel nur an Wochenenden in Betrieb. 

Neben der klassischen Langlauf-Loipe über neun Kilometer mit vielen Abkürzungen gibt es eine kurze Schnup- perrunde. Parallel zur fünf Kilometer langen Skating- strecke wird ebenfalls für den nordischen Sport gespurt. Einen Skiverleih vor Ort gibt es nicht. 

Für alle, denen mehr nach einem erholsamen Spazier gang ist, wird ein Winterwanderweg gewalzt. Fürs Rodeln eignet sich neben dem Hang am Meißnerhaus auch die Viehhauswiese.

Anfahrt

Alle Ziele auf dem Berg sind bequem über die beiden Haltestellen Hoher Meißner Großparkplatz und Hoher Meißner Berggasthof der Linie 290 zu erreichen. Der Bus verbindet Eschwege und Hessisch Lichtenau. Welche Gastronomie geöffnet hat, welcher Lift in Betrieb ist und welche Loipen präpariert sind, verrät auf der Seite des Geo-Naturparks der bei Winterwetter täglich aktualisierte Schneebericht.