Unterwegs im Hummelzoo

Erscheinungsdatum | 10.04.2026

Was ist eigentlich ein Hummelzoo? Das will ich genauer wissen. Neugierig mache ich mich mit unserem Fotografen auf den Weg nach Naumburg. Am Ortsausgang, ein Stück von der Straße nach hinten versetzt, steht ein dunkles Holzhaus mitten auf einer Wiese.

Kräuter und Blumen wachsen schulterhoch und überall brummt es. Die Hummeln sind also da, aber was ist mit dem Zoo? 

André, Miriam, Emilia und Robin stoßen zu uns. Da kommt auch Claudia Thöne. Die Biologin ist Leiterin des Hummelzoos, den sie auch Hummelwerkstatt nennt. „Viele denken an Hummelfiguren, wenn sie Hummelwerkstatt hören. Aber wir basteln andere Dinge, wie Nistkästen und Hampelhummeln.“ Wir gehen ins Haus und stehen in einer Art Klassenzimmer. Hier können Besuchende etwas über Insekten, vor allem über Hautflügler wie Hummeln, Honigbienen, Solitärinsekten und auch Ameisen lernen. An einem großen Tisch in der Mitte nehmen wir Platz. Gleich startet der Hummelunterricht. 

Hummeln streicheln

Steinhummel, Baumhummel, Ackerhummel, Gartenhummel, Erdhummel und Wiesenhummel. An einem Holzbalken hängen sechs große Zeichnungen. Auf den ersten Blick sehen sich die Tiere sehr ähnlich, schnell aber gibt es Unterschiede zu entdecken, zum Beispiel in der Färbung des Pelzes. Genauer können wir das erkennen, als durchsichtige Dosen auf den Tisch kommen. „Hier, guckt mal! Und fühlt auch ruhig.“ Kurzes Zögern. „Keine Sorge, das sind tote Hummeln, die tun nichts.“ Wir werden mutiger. Mehrere Hummeln liegen vor uns, wir können die plüschigen Insekten jetzt ganz aus der Nähe beobachten, sogar anfassen. Wie hübsch die sind! Frau Thöne weiß, wie groß die einzelnen Hummelarten sind, wie viele Hummeln ein Volk bilden (bis 600 Tiere bei den dunklen Erdhummeln), dass sie ein Revier haben, dass sie auch bei Regen fliegen, aber Siesta machen, wenn es heiß ist, dass Hummeln beim Sammeln einen eigenen Nahrungspfad, den sogenannten Trail fliegen, dass sie keinen Honig produzieren (das tun nur Honigbienen), dass sie extrem wichtige globale Player sind.

Ohne Hummeln und andere Bestäuber können wir einpacken 

Es gibt immer weniger Insekten und Bienen. Davon haben wir schon gehört. Hier aber lernen wir, warum Bienen und Hummeln absolut schützenswert sind. Sie sichern das Bestehen vieler Pflanzen und damit die ökologische Vielfalt in unserem Ökosystem. Sie tragen dazu bei, dass es weltweit genug Nahrung für Insekten, Säugetiere, Vögel und für uns Menschen gibt. Es ist wichtig, dass wir ihren Lebensraum bewahren, die richtigen Pflanzen säen und ihnen je nach Art unterschiedliche Nist- und Brutplätze anbieten. Das kann man hier lernen.

Ausflug unter die Erde 

Was brauchen Hummeln zum Brüten? Höhlen jeder Art! Das können Löcher in alten Baumstümpfen sein, Mauerritzen oder Hohlräume in der Erde, zum Beispiel ein verlassenes Mäusenest. Gleich im Nebenraum dürfen wir „einen auf Maulwurf machen“ und ein Volk Erdhummeln in ihrem Bau beobachten, als wären wir unter der Erde. Die Augen müssen sich etwas an die Dunkelheit gewöhnen, aber ganz finster ist es nicht. Weil Hummeln rotblind sind, ist der Raum in Rotlicht getaucht. Außerdem hat Frau Thöne eine Taschenlampe, mit der sie uns zeigt, wer wer ist. Die größte ist die Hummelkönigin, sie wird ca. 23 Millimeter groß und ist eindeutig zu erkennen. Ganz kleine Hummeln sind die Arbeiterinnen, die zuallererst geschlüpft sind. Sie werden sofort von der Hummelkönigin eingespannt und müssen die neuen Hummeln füttern und auch den Bau wärmen und sauber machen. Die Zwergarbeiterinnen sind nur etwa elf Millimeter groß.

Dann gibt es noch männliche Hummeln, Drohnen, sie leben etwa zwei Wochen und sind dazu da, Jung- Königinnen zu befruchten, die dann ausfliegen und wieder Eier legen, damit das Volk über den Sommer wächst. Wir sehen auch Kokons, in denen sich Larven bewegen. Wenn sie schlüpfen, bekommen sie Hilfe von den Arbeiterinnen, die sechs bis acht Wochen leben. Über dem Gewusel liegt eine Plexiglasplatte, damit die Hummeln nicht um unsere Köpfe schwirren können. Aber sie gehen ruhig ihrer Arbeit nach. 

Hummeln können lernen, Türen zu öffnen 

Wir beobachten Tiere, die wir sonst nicht aus solcher Nähe sehen können. Aber wie kamen die Hummeln rein? Frau Thöne erzählt, dass es Hummelzüchterinnen und -züchter gibt und dass die Hummelwerkstatt ein Erdhummelvolk hier angesiedelt hat. Warum Hummeln, nicht Bienen? „Hummeln sind sanftmütiger und lassen sich leicht ansiedeln.“ Aha! Wir entdecken einen Schlauch am Rand des Hummelbaus. Er stellt die Verbindung nach draußen dar. Wo kommt der raus? Da müssen wir hin.

Wir stehen ein Weilchen in der Nähe einer kleinen Plexiglasklappe in der Außenwand des Holzhauses. Dort beobachten wir, wie Hummeln geschickt die Klappe anheben und ins Gebäude verschwinden. Das haben sie nach der Ansiedlung im Hummelzoo lernen müssen. Schon wieder öffnet sich die Klappe, diesmal von innen. Eine Sammlerin macht sich auf die Suche nach Pollen und Nektar.

Aber bloß nicht zu nah rangehen: Drinnen stehen Wächterinnen, die ungemütlich werden, wenn sie sich bedroht fühlen. Hummeln können stechen und auch beißen. 

Im Hummelparadies 

Jetzt gehen wir noch tief in den Garten hinein. Neben Erdhummeln, die wir im Rotlicht-Raum gesehen haben, identifizieren wir mit etwas Hilfe jetzt auch Garten-, Stein-, Wiesen-, Acker- und Baumhummeln. Dazu eine Schwebfliege, viele Falter und Tagpfauenaugen. Nacheinander bahnen wir uns einen Pfad durch die hohen Futterpflanzen wie wilde Möhre, Natternkopf, Kratzdiestel, Kräuter – und finden ganz hinten: reife Stachelbeeren! Auch an die Menschen ist hier gedacht. Aber wie wir gelernt haben, sind Hummeln, Bienen und Menschen ohnehin fest miteinander verwoben. Nach einem Besuch im Hummelzoo ist das klar.  

 

Alles wichtige für deinen Ausflug

Diese Eigenschaften bietet dir diese Route:

Alleine Gruppen Familien Kinder ab 6 Jahren Entspanntes Bewegungslevel Kleines Budget Kleiner Zeitaufwand

Öffnungszeiten

  • Von Anfang Mai bis Ende August 
  • Dienstag und Sonntag 15–17 Uhr 
  • Für Gruppen auch außerhalb der Öffnungszeiten. Anmeldung bei Claudia Thöne, Leiterin der Hummelwerkstatt Naumburg, claudia.thoene(at)naumburg.eu

Eintrittspreise 

  • Erwachsene 3,00 €, Kinder 1,00 €
  • MeineCardPlus und AuszeitCardPlus: freier Eintritt

Tipps 

  • Auf Plattdeutsch heißen Hummeln „Plüschmors“, also „Plüschhintern“. Wir finden, das passt! 
  • Nicht plüschig, aber lecker: das Eiscafé Venezia. Die italienischen Eisspezialitäten, hausgebackenen Kuchen und frischen Waffeln sind einen Abstecher in die Naumburger Altstadt wert. Bahnhofstraße 4, 34311 Naumburg, geöffnet täglich von 10–20 Uhr. 
  • Hier gibt’s Infos für ein bienenfreundliches Umfeld: www.landwirtschaft.hessen.de/naturschutz-und-artenvielfalt/bienenfreundliches-hessen 
  • Am 20. Mai 2026 ist Weltbienentag. Mehr Infos: www.weltbienentag.de/bienen

Hummelwerkstatt des Naturinformationszentrums (NIZ) Naumburg

Adresse

Fritzlarer Straße 47
34311 Naumburg