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Wohnung Familie Grimm 1805-1814 im Haus des Kaufmanns Simon Wille

Wenn Sie sich heutzutage auf die Suche nach dem Standort des Grimmschen Wohnhauses in der Marktgasse 17 machen, begeben Sie sich zur Kurt-Schuhmacher-Straße.

Ungefähr dort, wo sich Haus Nummer 38 befindet, stand einst das prächtige, viergeschossige Fachwerkhaus – von rechts hinten nach links vorne schräg in die 1954 neugebaute 6-spurige Straße hineinragend, an der gedachten Verlängerung des verbliebenen Teils der Wildemanngasse. Das Haus, das dem Kaufmann Simon Wille gehörte, lag an der Nordfront der Marktgasse / Ecke Wildemannsgasse, am Schnittpunkt zweier geschäftiger, enger Straßen mit einer Vielzahl an Gaststätten, Läden und Handwerksbetrieben. Es war von beiden Straßen aus betretbar und adressiert: Wildemannsgasse Nr. 2 - zu Zeiten der Grimms, später Nr. 24 - und Marktgasse Nr. 17.
"Die gesamte Familie Grimm, bestehend aus der Mutter mit den fünf Söhnen Jacob, Wilhelm, Carl, Ferdinand und Ludwig Emil sowie der Tochter Charlotte Amalie (gen. Lotte), bezog nach der Marburger Studienzeit der beiden ältesten Brüder und der Paris-Reise Jacobs, im Oktober 1805 eine Wohnung mit 9 Räumen in diesem Haus. Nach dem Tod der Mutter am 27. Mai 1808 blieben die Geschwister Grimm noch bis April 1814 gemeinsam hier wohnen." (Bernhard Lauer (c) 2006) Die Miete betrug 120 Thaler im Jahr und war damit recht hoch.
In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich die Sonnenapotheke des Apothekers Wild, mit dessen Töchtern sich Jacob, Wilhelm, Ludwig-Emil und Lotte Grimm anfreundeten. Bald fanden rege und heitere Treffen statt, zu denen außerdem die Schwestern Hassenpflug, die Schwestern Engelhard, die Schwestern Ramus und Johann Friedrich von Dalwigk, der spätere Ehemann Marie Hassenpflugs, gehörten. Unter anderem wurden an solchen Abenden Märchen erzählt. Die Brüder Grimm schrieben fleißig mit und veröffentlichten sie vor allem im ersten Band der Kinder- und Hausmärchen.
Hier, im Haus Marktgasse Nr. 17, war auch die berühmteste „Märchenfrau“ der Brüder Grimm, Dorothea Viehmann, viele Male zu Gast. Nach dem langen Weg von Niederzwehren bis zum Markt in Kassel kehrte sie auf ein „Keppchen Kaffee“ ein und erzählte den Brüdern Grimm von 1813 bis 1815 über 40 Märchen und Märchenvarianten zu mindestens 36 Grimmschen Märchentiteln. So hörten die Grimms von ihr die Märchen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“, „Die zwölf Brüder“, „Aschenputtel“, „Die Bremer Stadtmusikanten“, „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ und „Der Teufel und seine Großmutter“. "Dorothea Viehmann beeindruckte die Brüder Grimm durch die Exaktheit, mit der Sie die Märchen in immer gleichen Wortlaut wiederholte. Wilhelm Grimm schrieb über sie "Einer jener guten Zufälle war es, dass wir aus dem bei Kassel gelegenen Dorfe Niederzwehren eine Bäuerin kennen lernten ... Die Frau Viehmännin war noch rüstig und nicht viel über 50 Jahre alt ... Sie bewahrte die alten Sagen fest im Gedächtnis“ Die Bekanntschaft der Brüder Grimm mit Dorothea Viehmann wurde vermittelt über die Töchter Julia (1792-1862) und Charlotte (1793-1858) des zweiten Predigers der französischen Gemeinde der Kasseler Oberneustadt Charles François Ramus (1760-1821), die selbst auch einige Beiträge zur Grimmschen Märchensammlung lieferten." (Bernhard Lauer (c) 2006)

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